106 Strände, keine Autos, unberührter Atlantischer Regenwald – und die meisten Besucher sehen nur einen Bruchteil davon. Hier erfährst du, was sich auf Brasiliens ursprünglichster Insel wirklich lohnt.
Ilha Grande ist mit keinem anderen Ort in Brasilien vergleichbar. Die ehemalige Strafkolonie ist heute ein Naturschutzgebiet: keine Autos, keine Straßen zwischen den Dörfern und über 100 Strände rund um eine Insel von etwa 193 km². Die Anreise kostet etwas Mühe – aber jede Minute lohnt sich.
Ob du 2 Tage oder 2 Wochen Zeit hast: Diese Erlebnisse machen einen Besuch auf Ilha Grande aus. Bootstouren, die reine Touristenfallen sind, und überlaufene Orte haben wir bewusst weggelassen – zugunsten dessen, was die Insel wirklich besonders macht.
Lopes Mendes landet regelmäßig unter den besten Stränden ganz Brasiliens: fast 3 km weißer Sand vor der Kulisse des Atlantischen Regenwalds, flaches türkisfarbenes Wasser und kaum Bebauung. Keine Bars, keine Liegestühle zum Mieten – einfach ein Strand, wie er sein sollte.
Schon der Weg dorthin gehört zum Erlebnis: rund 3 Stunden zu Fuß durch den Wald ab Vila do Abraão oder mit dem Boot bis zur Praia do Pouso und dann noch 20 bis 30 Minuten auf einem Wanderweg. Komm früh am Morgen, dann bist du vor den Massen da und hast das schönste Licht zum Baden. In der Hochsaison (Dezember–Januar) solltest du vor 09:00 Uhr da sein, sonst verliert der Strand etwas von seinem Zauber.
Lies auch: So kommst du nach Lopes Mendes – mit Bootspreisen, Rückfahrzeiten und dem Wanderweg ab Abraão.
Die Lagoa Azul („Blaue Lagune“) ist einer der bekanntesten Orte auf Ilha Grande – eine geschützte Bucht, so flach, dass du jedes Detail des Riffs erkennst, und deren Wasser je nach Tageszeit von Smaragdgrün bis zu tiefem Türkis schimmert. Sie ist ein beliebter Stopp bei Bootstouren, doch wenn du privat eine kleine Lancha (Motorboot) mietest, bist du vor den Gruppen da.
An ruhigen Tagen ist das Schnorcheln hier hervorragend: Das Wasser ist oft sehr klar, es gibt Schwärme von Rifffischen und mit etwas Glück sogar eine Meeresschildkröte. Bring deine eigene Schnorchelausrüstung mit oder leih dir vor der Abfahrt eine im Dorf. Am besten erreichst du die Lagune mit dem Boot (rund 20 Minuten ab Abraão).
Lies auch: Bootstouren auf Ilha Grande im Vergleich – vom Ausflug zur Lagoa Azul bis zur kompletten Inselumrundung, mit Preisen für 2026.
Wer die Insel zu Fuß erkunden will, kommt am Wanderweg nach Dois Rios nicht vorbei. Er führt in etwa 2 bis 3 Stunden pro Strecke durch dichten Atlantischen Regenwald, auf alten Erdwegen bis an die abgelegene Südküste der Insel, wo ein weiter, ruhiger Strand auf die Ruinen des alten Bundesgefängnisses trifft – der Colônia Penal Cândido Mendes, die 1994 geschlossen wurde.
Die Mischung aus bewegter Geschichte, Dschungel und traumhaftem Strand ist einzigartig. Nimm reichlich Wasser, Sonnencreme und Mückenschutz mit. Wer lieber in Begleitung geht, findet im Dorf Guides – das lohnt sich, wenn du mit Dschungelpfaden nicht vertraut bist.
Mit rund 980 Metern ist der Pico do Papagaio („Papageienspitze“) der bekannteste Gipfel von Ilha Grande und nach dem Pico da Pedra d'Água (1.031 m) der zweithöchste. Der Aufstieg dauert 3 bis 4 Stunden, hin und zurück sind es 6 Stunden oder mehr, und die Tour ist wirklich anspruchsvoll – steil, voller Wurzeln und bei Nässe rutschig. Doch die Aussicht von oben ist überwältigend: die ganze Insel zu deinen Füßen, die Küste des Festlands und bei klarer Sicht der Horizont bis nach Rio.
Brich sehr früh auf (vor 07:00 Uhr), um die kühle Morgenluft zu nutzen und oben zu sein, bevor sich die Wolken um den Gipfel schließen. Ein Guide ist dringend zu empfehlen. Schau dir am Vorabend die Wettervorhersage an – bei Wolken ist die Aussicht vom Gipfel dahin.
Die Praia do Aventureiro ist einer der abgelegensten und am besten geschützten Strände Brasiliens. Du erreichst sie mit dem Boot oder über einen steilen Pfad ab Provetá. Sie liegt in einem Schutzgebiet mit begrenzter Besucherzahl (örtliche Quellen nennen rund 560 Personen gleichzeitig) – deshalb geht es hier selbst in der Hochsaison viel ruhiger zu als in Abraão.
Der Strand selbst ist spektakulär: ein weiter Sandbogen mit kräftiger Brandung, dahinter dichter Wald und Süßwasserbäche. Es gibt eine Handvoll einfacher Pousadas und Essensstände, die von ansässigen Familien betrieben werden. Die Boote fahren am Anleger in Abraão ab – buch dein Rückfahrticket gleich bei der Ankunft, denn nachmittags sind die Boote schnell voll.
Die Gruta Azul („Blaue Grotte“) ist eine Meeresgrotte an der Südküste der Insel, die nur mit dem Boot erreichbar ist. Das Licht bricht sich im Wasser und taucht das Innere der Grotte in leuchtendes Blau und Grün. Am eindrucksvollsten ist der Effekt an sonnigen Vormittagen zwischen 10:00 und 12:00 Uhr, wenn die Sonne direkt auf den Eingang der Grotte fällt.
Die meisten Anbieter von Bootstouren haben die Gruta Azul auf ihrer Inselrunde im Programm. Meist wird sie auf demselben Halbtagesausflug mit der Lagoa Azul und einem Badestopp an einem Strand kombiniert. Bei ruhiger See kannst du in der Grotte schwimmen – eines der unvergesslichsten Badeerlebnisse auf der Insel.
Der Hauptort der Insel, Vila do Abraão, wird oft nur als Ankunftsort gesehen – dabei lohnt es sich, ihn richtig zu erkunden, vor allem abends. Nach Sonnenuntergang erwacht die Uferpromenade zum Leben: Open-Air-Restaurants servieren frische Meeresfrüchte, eiskalte Caipirinhas und gegrillten Fisch. In den Bars spielen Musiker aus der Gegend, und das Tempo ist genau richtig.
Trotz des Tourismus hat sich das Dorf seinen ursprünglichen Charakter bewahrt – die meisten Restaurants und Pousadas werden von Familien geführt, die seit Generationen hier leben. Probier die Moqueca de frutos do mar (Meeresfrüchte-Eintopf) in einem der Familienlokale an der Hauptstraße. Sie gehört zum Besten, was die Costa Verde kulinarisch zu bieten hat.
Die Gastroszene von Ilha Grande wird unterschätzt. Der Fang kommt täglich frisch von den Fischerbooten der Insel, und wegen der abgeschiedenen Lage müssen die Restaurants alles selbst zubereiten. Moqueca mit Garnelen, gegrillte Carapeba (ein heimischer Weißfisch), Bobó de camarão (Garnelen in Maniokcreme) und Pizza aus dem Holzofen gelingen hier bemerkenswert gut.
Das beste Essen gibt es meist in kleinen Familienlokalen mit handgeschriebener Karte und Plastikstühlen – lass dich vom fehlenden Ambiente nicht abschrecken. Halte zum Nachtisch Ausschau nach einer frischen Açaí-Bowl (der echten, nicht der gesüßten Industrieversion) – Straßenverkäufer im Dorf servieren sie dickflüssig, eiskalt und mit Banane.
Die Gewässer rund um Ilha Grande gehören zu den artenreichsten an der Südostküste Brasiliens. Mehrere Tauchschulen in Vila do Abraão bieten PADI-zertifizierte Kurse und geführte Tauchgänge zu Felsriffen und Wracks an, an denen Muränen, Papageifische und andere Rifffische häufig zu sehen sind. Die Wassertemperatur liegt das ganze Jahr über bei etwa 24–27 °C.
Wer nicht taucht, findet an der Praia Preta und in der Lagoa Verde („Grüne Lagune“) gute Schnorchelspots. Vor allem die Lagoa Verde hat klares Wasser über Felsen und Sand, die Fische schwimmen nur ein paar Meter unter der Oberfläche – Erfahrung brauchst du also keine. Ausrüstung leihst du in den Tauchshops und bei den meisten Anbietern von Bootstouren.
Vom Boot aus zuzusehen, wie die Sonne über der Costa Verde versinkt – mit der Silhouette von Ilha Grande im Hintergrund und einer Caipirinha in der Hand –, ist einer dieser Reisemomente, die wirklich halten, was sie versprechen. Mehrere Anbieter starten am späten Nachmittag zu Sunset-Touren mit dem Katamaran und fahren an der Westküste der Insel entlang, während sich das Licht verändert.
Die Touren starten meist um 16:00 Uhr, dauern 2–3 Stunden und beinhalten Schnorchelstopps, Musik und Open Bar. Buch am Vortag – sie sind schnell ausgebucht, vor allem im Sommer. Der Blick auf das in der Dämmerung erleuchtete Dorf auf der Rückfahrt ist der perfekte Abschluss eines Tages auf der Insel.
Wie viele Tage brauchst du auf Ilha Grande?
Die meisten Besucher bleiben 3–5 Tage – und wären am liebsten noch länger geblieben. Zwei Tage sind das absolute Minimum, um die wichtigsten Highlights zu sehen (Lopes Mendes und die Lagoa Azul). Mit fünf Tagen schaffst du auch die längeren Wanderungen, entdeckst abgelegene Strände und kommst wirklich zur Ruhe. Eine Woche ist ideal, wenn du gern wanderst und Wassersport magst.
Wann ist die beste Reisezeit für Ilha Grande?
Von März bis November ist die ideale Zeit: weniger Regen, ruhigere See und deutlich weniger Andrang als in der Hochsaison von Dezember bis Februar. Im Mai und Juni herrscht perfektes Wanderwetter, und die Strände sind fast leer. Im Juli sorgen die brasilianischen Schulferien für Andrang, von August bis Oktober ist es dann wieder ruhig. Dezember und Januar sind beliebt, aber sehr voll – buch alles im Voraus.
Ist Ilha Grande sicher für Touristen?
Ja. Ilha Grande gehört zu den sichersten Reisezielen Brasiliens. Auf der Insel gibt es kaum Kriminalität, keine Fahrzeuge und eine kleine, eng verbundene Gemeinschaft. Halte dich an die üblichen Vorsichtsmaßnahmen – lass keine Wertsachen unbeaufsichtigt am Strand liegen und fall nachts nicht unnötig auf –, aber besondere Sicherheitsrisiken gibt es hier kaum.
Muss ich fit sein, um Ilha Grande zu genießen?
Überhaupt nicht. Viele der schönsten Erlebnisse – die Lagoa Azul, Fisch und Meeresfrüchte im Dorf, Bootstouren, die Praia do Aventureiro – sind für alle machbar. Der Wanderweg von Abraão nach Lopes Mendes dauert auf Waldpfaden rund 3 Stunden pro Strecke, doch mit dem Boot bis zur Praia do Pouso verkürzt du ihn auf 20 bis 30 Minuten. Die anspruchsvollen Wanderungen (Pico do Papagaio, Dois Rios) sind optional und machen am meisten Spaß, wenn du lange Tage auf den Beinen gewohnt bist.
Wie komme ich von Rio de Janeiro nach Ilha Grande?
Die Fahrt dauert rund 3 Std. 30 Min.: Ein Van bringt dich von deinem Hotel in Rio zum Fähranleger in Conceição de Jacareí (ca. 150 km südlich der Stadt), danach geht es in 30 Minuten mit dem Boot hinüber nach Vila do Abraão. TransferIlha kümmert sich mit einer einzigen Buchung um alles – Abholung am Hotel, Van und Fährticket – für R$ 260 pro Person (einfache Fahrt).
Eine einzige Buchung umfasst die Abholung an deinem Hotel in Rio, den Van zur Küste und dein Fährticket. Kein Umsteigen organisieren, keinen Anschluss verpassen.
Transfer buchen